Walheim
Von Susanne Yvette Walter | Bilder: Martin Kalb © www.swp.de
Sein Vater noch hat in der Weingärtnergenossenschaft seine Trauben abgeliefert, erzählt der Wengerter Eberhard Klein aus Walheim. Doch für ihn kam das nicht in Frage. Er baut selbst seine Weine aus. Im eigenen Weingut erzeugt Klein Weine, die sich bewusst an die Traditionen anlehnen, mit moderner Technik.
Mit einem Handrefraktrometer misst Eberhard Klein aus Walheim den Oechslegrad.
Während andere Wengerter sich im Herbst in die lange Schlange an Traktoren einreihen müssen, die vor den Weingärtnergenossenschaft warten, kann Eberhard Klein seine Trauben gleich im heimischen Weingut „versorgen“. Der Walheimer baut seine Weine in Eigenregie aus, in der Hauptsache für einen Stamm an Privatkunden, denn eine Besenwirtschaft betreiben die Kleins nicht. So produzieren sie „zu 95 Prozent für Privatkunden aus der näheren und weiteren Umgebung und vereinzelt für die Gastronomie“, erklärt der Selbstvermarkter.
Die Leseeimer hängen zum trockenen auf dem Gartenzaun. Danach beginnt die eigentliche Arbeit des Kellermeisters.
Auf zwei eigenen Veranstaltungen im Jahr präsentiert der Wengerter seine Weine, die Flasche für Flasche seine Handschrift tragen, einmal an Himmelfahrt und einmal im Advent. „Mein Vater hatte vor 20 Jahren noch den klassischen Nebenerwerbsbetrieb. Doch ich bin einer, der der Genossenschaft lieber den Rücken zugedreht hat und seine eigenen Ideen verfolgt. Das hatte den Nachteil, dass es für mich sehr schwer war, an Weinberge heranzukommen, die man mit dem Vollernter bewirtschaften kann. Die Alternative waren Steillagen und davon habe ich einige“, schmunzelt Eberhard Klein, der einzige Selbstvermarkter in Walheim wie er sagt.
„Damals war ich noch jung und enthusiastisch und habe mich intensiv mit dem Thema Steillagen befasst und das Potenzial entdeckt, das in den Lagen steckt“, berichtet er. Die Begeisterung für den guten und besonderen Wein ist geblieben und beim Buttentragen in den Steillagen hilft heute Sohn Moritz. „Die steilen Hanglagen mit ihrer intensiven Sonneneinstrahlung – ich habe schon immer Visionen mit den Steillagen gehabt.“ Eberhard Klein nennt Chardonnay und Merlot als Sorten, die der Herausforderung standhalten. Nur sei es immer schwieriger, für die Traubenlese Leute zum Buttentragen zu kriegen, auch deshalb weil, die Menschen immer mehr ins Arbeitsleben eingebunden sind.
Eberhard und Karin Klein: Die neuen Eichenfässer stehen bereit.
Eberhard Klein betreibt einen „kleinen Familienbetrieb“, wie er sagt, mit 3,5 Hektar Weinberg. Die Hälfte seiner Ertragslagen sind Steillagen. Klein kommt ohne ausländische Hilfskräfte aus und kann auf eine „Kerntruppe“ zurückgreifen. „Wir arbeiten natürlich das ganze Jahr im Weinberg. Pflanzenschutz und Laubarbeiten sind ein Dauerauftrag.“ Er verwende keine Herbizide und habe eine natürliche Dauerbegrünung. Eberhard Klein ist kein Freund von Maschinen, sagt er selbst. „Ich brauche keine Satelitensteuerung im Wengert. Das muss man immer in Relation sehen, ob sich das von der Anschaffung her überhaupt lohnt.“ So manche Rebanlage sei mehr als 40 Jahre alt und da passen keine Maschinen dazu, erklärt er. Eberhard Klein setzt in seinem Betrieb auf die klassische Handlese.
Er liebt alte Rebsorten und setzt sich für ihre Kultivierung ein. Vor allem auf seinen Riesling, eine alte Sorte, ist er stolz. Auch seinen Grauburgunder und seinen Ruländer baut Eberhard Klein auf traditionelle Weise aus. „Deshalb hat der Grauburgunder auch diese goldene Farbe“, erklärt er stolz. Der Weißwein dominiert seinen Weinbau mit 60 Prozent. „Das ist für Neckartalverhältnisse eher ungewöhnlich“, ist ihm bewusst.
Diese Woche haben Karin Klein und ihre Helfer Paul Köhler (Mitte) und Werner Flumm Trollingertrauben auf dem Walheimer Berg gelesen.
Wenn dann die weißen Trauben nach der Lese bei Eberhard Klein auf dem Weingut ankommen, werden sie erst einmal dort „entrappt“, das heißt, die Kämme kommen weg und die Beeren werden ausgepresst und eingemeischt und dann „nach sortenabhängiger Standzeit“, schonend bei zwei Bar abgepresst.
Der „Most, der daraus entsteht, kommt ins Gärgebinde im Edelstahltank und wird dort mit Hilfe von moderner Elektronik kontrolliert. Der Weißwein wird kühl vergoren. „Wir verbinden bei der Weißweinbereitung eigene Hefen mit der Spontanvergärung“, erläutert er das Verfahren. Nach rund sechs Wochen ist der Gärvorgang abgeschlossen. Anschließend wird der Wein mit Kieselgur gefiltert. Dann verliert er seine trübe Farbe. Kieselgur sei ebenfalls ein klassisches Filtrationsmittel, erklärt Klein. So entstehen die Spezialitäten im Weissweinbereich im Eigenausbau. Im kleinen Eichenholzfass erhält der Chardonnay seine Reife. „Wir waren damals mit die ersten, die hier Chardonnay angebaut haben“, weiß Klein noch genau.
Auch der Rotwein entsteht hier in der klassischen Meischengärung. Ihm wird allerdings Wärme zugeführt, weil „sich dann die Farbe besser von der Schalenhaut löst“. 15 bis 20 Tage lang wird der Rotwein in der Maische vergoren und täglich mehrmals umgerührt. Erst nach Beendung des Gärprozesses wird die Meische ausgepresst und schließlich kommt auch der junge Rotwein teilweise ins Holzfass.
„Wenn es zu einer Gärstauung kommt, sollte man eingreifen“, deshalb sei die Gärkontrolle wichtig. „Wir sind eine Manufaktur im eigentlichen Sinn. Wir versuchen den Wein als eigenständiges Ding zu sehen und ihn in seiner Natürlichkeit zu belassen“, ist Eberhard Kleins Credo. Zu dieser Grundhaltung, die traditionell geprägt ist passt auch die Symbolfigur der Weingärtnerfamilie Klein, die Epona. Der Großvater hatte einst eine Platte aus der Römerzeit mit einer Darstellung der keltischen Fruchtbarkeitsgöttin im Weinberg gefunden. Eine Kopie des kulturhistorischen Schätzchens thront in Kleins Probierstube.
Von Susanne Yvette Walter | Bilder: Martin Kalb © www.swp.de